Frühere Verhältnisse

Einakter von Johann Nepomuk Nestroy

Der wohlhabende Holzhändler Scheitermann hat eine junge, hübsche Professorstochter geheiratet. Trotzdem ist er nicht glücklich über sein Schicksal.

Erstens fühlt er sich seiner verwöhnten Frau unterlegen, weil sie - im Gegensatz zu ihm - aus einem sogenannten „guten Haus” stammt. Zweitens glaubt er sich genötigt, ihr seine Vergangenheit verheimlichen zu müssen. Er war nämlich in seinem früheren Leben schlichter Angestellter. Josefine, seine Ehefrau hegt indessen den leisen Verdacht, dass ihr einige Jahre älterer Gemahl nicht nur ein wenig dumm sein, sondern möglicherweise auch eine kriminelle Vergangenheit haben könnte.

Auch Peppi Amsel blickt auf eine „dramatische” Vergangenheit zurück. Sie war bei Josefines Vater als Köchin angestellt, bevor sie zum Theater ging, um an ambulanten Bühnen Karriere zu machen. Allerdings blieben die ganz großen Erfolge und vor allem die überlebensnotwendigen Gagen aus, sodass Peppi beschließt, wieder in die Dienste ihrer früheren Arbeitgeber zurückzukehren.

Als dann auch noch der mittlerweile völlig verarmte, ehemalige Chef Scheitermanns, der frühere Unternehmer Muffl zufälligerweise im Hause des reichen Holzhändlers um Arbeit anfragt, kommt es zu wilden Verwirrungen und Verwicklungen, bis sich alle zu ihren FRÜHEREN VERHÄLTNISSEN bekennen (müssen).

Frühere Verhältnisse

beschreibt vor dem Hintergrund wirtschaftlich und gesellschaftlich labil gewordener Zeiten und Zustände die Unberechenbarkeit des Schicksals, das scheinbar beliebig über den sozialen Auf- oder Abstieg des Einzelnen bestimmt. In gewohnt sarkastischer Weise nimmt Johann Nestroy die neureichen Emporkömmlinge, den Standesdünkel des Establishments und das ewige Gesellschaftsspiel von Vortäuschen und Vertuschen aufs Korn.

Diese Komödie ist aber nicht nur eine sozialkritische Satire, sondern auch eine Abrechnung mit dem kommerzialisierten Theaterbetrieb und dem Kulturverständnis seiner Zeit. Nestroys Komödie FRÜHERE VERHÄLTNISSE ist jedenfalls immer noch – oder wieder - höchst aktuell und brisant.

Ich habe mir allerdings erlaubt, einige Textpassagen hinzuzufügen, um das Stück noch deutlicher in unsre heutige Zeit zu verlegen.

Peter W. Hochegger, Regisseur

Scheitermann, ein Holzhändler
Franz Haller
Josefine, seine Frau
Andrea Nitsche
Anton Muffl, ein Hausdiener
Andreas Kosek
Peppi Amsel, Köchin
Maria Staribacher
Inszenierung
Peter W. Hochegger
Bühne
Werner Wurm
Technik
Christian Pröglhöf
Fotocredit
Peter W. Hochegger