Gut gegen Nordwind

Schauspiel, basierend auf dem Roman von Daniel Glattauer

Emmi Rothner will per E-Mail ihr Zeitschriftenabonnement kündigen. Durch einen banalen Tippfehler erreicht diese Nachricht Leo Leike. Leo macht Emmi auf den Fehler aufmerksam. Aus diesem zunächst sehr sachlichen E-Mail Verkehr entwickelt sich bald ein witziges Wortgeplänkel.

Emmi ist mit einem älteren Mann verheiratet und sucht intellektuelle Ansprache, aber es reizt sie auch das risikolose, weil anonyme Abenteuer. Leo befasst sich von Berufs wegen mit der Sprache in der Kommunikation per E-Mail. Für ihn ist Emmi zunächst ein willkommenes Studienobjekt. Der Gedankenaustausch mit der vor Witz und Ironie sprühenden Emmi lässt ihn aber seine Mission vergessen.

Dieser „Briefwechsel” geht formal und inhaltlich weit über die übliche Kommunikation per E-Mail hinaus. Durch das wachsende Interesse an der anonymen Person am anderen Ende entspinnt sich eine skurrile, oft komische, sentimentale, aber auch erotische und romantische „Brief”-Freundschaft. Oder ist es vielleicht doch noch mehr?

Gut gegen Nordwind

erschien 2006 und wurde schnell zum Bestseller. Es ist ein Buch in Form eines Briefromans über die E-Mail Korrespondenz zwischen einer verheirateten Frau und einem allein stehenden Mann. Psychologisch äußerst glaubwürdig beschreibt Glattauer mit feiner Ironie die Annäherung zweier „vereinsamter” Menschen per Internet.

Es wurde in 28 Sprachen übersetzt. Die Bühnenfassung wurde am 7. Mai 2009 in den Wiener Kammerspielen uraufgeführt. Sie wurde mittlerweile in über 40 Theatern gespielt. Die Fortsetzung Alle sieben Wellen wurde ebenfalls zu einem großen Erfolg.

So muss Techik…

Wir leben in einer von neuen Technologien beherrschten Zeit. Und selbst diese Technologien erneuern sich ständig in einem unglaublich hohen Tempo. Wer glaubt, am neuesten Stand der Dinge sein zu müssen, erwirbt jedes Jahr das neueste Handy, das immer mehr kann. Laptops und Tablets machen unser Büro und unsere Privatsphäre handlich transportabel.

Mit diesen Technologien verändern sich unsre Kommunikationsmöglichkeiten. Man kann sich per E-Mail und SMS kurze und knappe Nachrichten schicken und Dates ausmachen. Dadurch verändert sich allerdings auch unser täglicher Umgang mit Sprache. Sätze werden sehr kurz, auf den Endzweck hin formuliert. Für längere und komplexere Gedankengänge ist kaum noch Zeit und Platz. Die direkte Kommunikation zwischen Menschen findet immer seltener statt. Man kann ja skypen und videotelefonieren.

Weil wir vor lauter skypen, smsen, mailen und facebooken keine Zeit mehr für persönliche Treffen mit Freunden haben, haben wir hunderte von Facebook Freunden und sitzen doch einsam und isoliert daheim. Das Kennenlernen von Menschen ist somit schwieriger geworden, auch weil wir es nicht mehr gewohnt sind, einem andern gegenüber zu sitzen, ihn beim Reden zu beobachten, ihm oder ihr in die Augen schauen zu können.

Nicht wenige Paare finden ihr Liebesglück übers Internet. Flirten online ist reizvoll, weil man, so lang man möchte, anonym sein kann. Mann oder Frau muss nicht alles preisgeben, kann sich nach Belieben beschreiben. Das Ungreifbare, weil nicht Sichtbare macht die Kommunikation auch leichter. Umso überraschender ist es, wenn über Computer und Internet eine Art Briefwechsel entsteht, der an Schnitzlers Zeiten erinnert, weil er sich Zeit nimmt, auf den anderen ein- und zuzugehen. Weil er sich darauf einlässt, Gedanken weiter und fertig zu denken und sprachlich gewandt auszuführen. Weil er es sich erlaubt, Empfinden zu beschreiben und Gefühle auszudrücken. So zeigt ein solcher Briefwechsel auch die Grenzen der neuen Technologien auf.

Keine noch so moderne, ausgeklügelte Technologie kann je den direkten Kontakt, die persönliche Kommunikation ersetzen. Letztlich ist die Sehnsucht, das Bedürfnis, unser Gegenüber sinnlich und in seiner Gesamtheit wahrzunehmen, nicht zu verdrängen. Wir wollen einander sehen, hören, riechen, berühren. Uns am Geist des andern erfreuen. In der Hinsicht sind moderne Kommunikationsmittel keine Hilfe, sondern nur Hindernis.

Wir sollten lernen, die neuen Technologien als sinnvolle Hilfsmittel zur Kommunikation zu nützen, statt uns von ihnen unsre Umgangsformen aufdrängen zu lassen. Sie sollten uns den Alltag erleichtern, nicht unser Leben beherrschen.

So muss Leben…

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Entdecken der eigenen Schwächen im Umgang mit Handy, Laptop und Tablets.

Peter W. Hochegger (Regisseur)

Emmi Rothner
Andrea Nitsche
Leo Leike
Thomas Bauer
Inszenierung, Bühne
Peter W. Hochegger
Bühnenbau
Werner Wurm
Technik
Christian Pröglhöf
Fotocredit
Harald Brutti